Schottland 1995
Aus Thomas-toepfer.com
Inhaltsverzeichnis |
1. Motorradtour
Warum ausgerechnet Schottland?
Karge Landschaft, Nebel, Regen und Kälte. Alles Gründe, die den 08/15-Touristen abhalten, in einem solchen Land seinen Urlaub zu verbringen. Was um alles in der Welt hat mich bewogen, hierher zu kommen? Ich glaube, es liegt an den Geschichten über wunderschöne Landschaften, schroffe Berge, freundliche Menschen und, last but not least, am Geheimnis des schottischen Whiskys. All das will ich nun mit eigenen Augen sehen und erleben. Da ich nicht allzuviel von organisierten Reisen halte, bin ich einfach drauflos gefahren. Es soll meine erste große Motorradtour werden. Mein Reisebegleiter ist Ralf, ein Kollege und auch begeisterter Motorradfahrer.
Die Motorräder
- meine Yamaha XJ 600 S Diversion, Baujahr '92
- Ralf auf seiner Moto Guzzi Le Mans IV
Ein ziemlich ungleiches Paar. Gemeinsam haben wir bisher nur einige Touren in der fränkischen Schweiz d.h. direkt vor unserer Haustür unternommen. Unterwegs treffen wir noch
- Volker uns Klaudia auf einer Ducati 900 SS
- "Schorsch" auf einer Kawasaki Z400
Reisebericht
Der Start
Die Sonne scheint, der Tag hat gerade begonnen, wir sind guter Laune und bereit zum Start. Wir haben beschlossen, das Ganze etwas ruhiger anzugehen. Deshalb ist die erste Tagesetappe bis Köln gesteckt. Wir wollen ziemlich schnell bis Frankfurt fahren und dann rechtsrheinisch über Rüdesheim, St. Goar und Koblenz bis nach Köln. Unser erstes Nachtquartier schlagen wir bei Ralfs Verwandten in Köln auf. In Koblenz gönnen wir uns noch eine kleine Pause, um das Deutsche Eck zu besichtigen - ist aber leider wegen einer OpenAir-Veranstaltung abgesperrt. Also fahren wir auf die Festung Ehrenbreitstein und schauen uns das ganze von oben an. Es ist wahnsinnig warm und wir kommen bei unserem Festungsrundgang ganz schön ins Schwitzen. Kurz vor Köln dann die erste technische Panne. Die Blinker der Moto Guzzi gehen nicht mehr. Aber die letzten 10 km schaffen wir auch ohne.
Am nächsten Morgen funktionieren die Blinker wieder. Ein Grund für das Fehlverhalten ist nicht zu erkennen, also gehts erst mal weiter. Unser heutiges Tagesziel ist der Fährhafen Rotterdam. Warum Rotterdam? Von Rotterdam (oder auch von Zeebrugge aus) gibt es eine tägliche Fährverbindung nach Kingston-upon-Hull in Nordengland. Dies spart uns einige hundert Kilometer Autobahn in Südengland. Über die Strecke Köln-Rotterdam gibt es nicht viel zu berichten. Wir fahren Autobahn. Bei Venlo habe ich ein Spritproblem und finde erst kurz vor Ultimo eine Tankstelle - Glück gehabt. Wir kommen gegen 16 Uhr am Fährterminal an und Reihen uns in die Motorradschlange ein. Im Terminal lernen wir noch 3 andere Biker kennen: Claudia und Volker aus Scheinfeld wollen mit Volkers Duc 900 SS auch nach Schottland, Schorsch auf seiner 400er Kawa will nach Irland. Gedankenaustausch!!!
Die Fähre
"Schneller in den Norden Englands." - Der Prospekt der Fährgesellschaft verspricht eine angenehme Überfahrt, Mahlzeiten inclusive, und er hält es auch. Wir überqueren im Schlaf die Nordsee und starten am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück (wahlweise 'English' oder 'Continental') in den Linksverkehr.
Der erste Tag
Wir verlassen das Schiff nach einem ausgiebigen Frühstück und beschließen, erst mal zu fünft weiter zu fahren. Schorsch hat das Ziel Irland zurückgestellt. Wir legen als Tagesziel die schottische Grenze fest. Nach York verlassen wir die größeren Landstraßen und suchen uns auf kleinen Nebenstraßen einen Weg durch die südlichen Pennines. In Newby Hall, einem Landhaus nahe Ripley, findet zufällig an diesem Tag ein MG-Oldtimertreffen statt. Ein solches Ereignis lassen wir uns nicht entgehen und flanieren eine Stunde zwischen den alten Autos. Dann gehts weiter in Richtung Yorkshire Dales. Dort ereilt uns das erste Mißgeschick, Ralf trennt sich in einer Kurve von seiner Guzzi. Zum Glück keine ernsten Schäden. Der erste Ersatz-Zündkerzenstecker muß montiert werden. Mit weichen Knien geht es weiter. Am Nachmittag erreichen wir Kendal, den Eingang zum Lake District. Wir suchen ein Quartier etwas abseits vom Haupttouristenstrom. Schließlich werden wir in Patterdale fündig. Wir schlagen unser Nachtlager in einer kleinen Frühstückspension auf. Abends gibt es Chicken marsala ebenda. Der erste Tag im Linksverkehr ist überstanden.
Dumfries and Galloway
Der zweite Tag beginnt mit der Erinnerung an den Linksverkehr. Volker erinnert sich nicht und fährt bis zum ersten entgegenkommenden Auto rechts. Ansonsten läßt sich der Tag gut an. Es ist zum Glück nicht so heiß, wie in Deutschland. Nach einer Stunde überqueren wir bei Gretna die schottische Grenze. Die Möglichkeit, hier schnell und unbürokratisch zu heiraten, nutzen wir nicht. Auf Klaudias Wunsch halten wir in Dumfries, bummeln durch die Stadt und besichtigen ein paar sehenswerte Museen: das Brückenhaus (vermutlich das älteste Haus Dumfries) und das Dumfries Museum, in dessen Turm eine Kamera Obskura installiert ist. Nach einem anschließenden kleinen Imbiß (Fish & Chips) verlassen wir Dumfries in Richtung Westen und folgen der Hauptstraße bis Newton Stewart. Da der Tag noch nicht zu weit fortgeschritten ist, beschließen wir, bis Ayr weiterzufahren. Der größte Teil der restlichen Strecke führt durch den Galloway Forest. Die erste Bewährungsprobe für die Motorräder. Danach sind wir alle ziemlich fertig und genießen die Teepause in einer kleinen Gaststätte kurz vor dem Tagesziel. Wir übernachten in der Jugendherberge Ayr. Getrennte Schlafsäle - Klaudias und Volkers Begeisterung hält sich in Grenzen. Ansonsten ist die Herberge ok. Die abendliche Nahrungssuche erweist sich als schwieriger als angenommen. Schließlich landen wir in einem chinesischen Restaurant und später in einem netten Pub. 11 PM ist Torschluß in der JH, also müssen wir bis dahin zurück sein. Aber viel länger haben die Kneipen hierzulande eh nicht offen und schließlich wollen wir morgen früh weiter.
Argyll
Wir starten an einem sonnigen Morgen zu unserer dritten Etappe. Frühstück gibt es in der JH nicht, der Koch ist krank. Also suchen wir uns ein Drive-In-Restaurant. Wir bekommen ein reichhaltiges Frühstück all-inclusive für 4 Pfund. Ich habe ein paar Schwierigkeiten mit den Müsliverpackungen. Gut gestärkt für den Tag begeben wir uns auf den Weg nach Norden. Wir wollen möglichst schnell Glasgow passieren und dann am Loch Lomond vor bei in Richtung Argyll Forest Park. Die erste angenehme Überraschung erleben wir an der Erskine Bridge - über die Clydemündung. Motorräder müssen hier (und auch für die Forth-Bridge bei Edinburgh) keine Maut bezahlen. Allerdings müssen wir uns trotzdem in die Schlangen an den Mauthäuschen einreihen. Kurz darauf bemerkt Volker einen Riß in seinem Gepäckträger und wir lernen zum ersten Mal die Hilfsbereitschaft der Schotten kennen. Nach einer knappen Stunde ist der Träger neu geschweißt und wir sind wieder fahrbereit. Bevor wir auf dem Weg nach Inveraray den Paß Rest and be Thankfull überqueren, rasten wir noch kurz in Tarbet am Loch Lomond. Bei strahlendem Sonnenschein überqueren wir anschließend den Paß und erreichen Inveraray, eine kleine Hafenstadt am Loch Fyne. Wir bummeln durch die Hauptstraße und besichtigen Inveraray Castle, dem Stammsitz des Duke of Argyll. Den Rest des Tages verbringen wir auf der Suche nach einem Quartier. Obwohl es erst als ein Fehler erscheint, abseits der Hauptstrecke zu suchen, finden wir letztendlich doch eine sehr gute Unterkunft (B & B) am Loch Awe. Wir gehen noch im See schwimmen und wandern zu den nahegelegenen Hügeln. Den Abend verbringen wir im Gespräch mit unseren Wirtsleuten.
Highlands and Islands
Am nächsten Morgen liegt Nebel über dem See. Wir wenden uns der Küste zu, um nach 2 Stunden Fahrt wieder das Loch Awe, diesmal aber dessen Nordspitze, zu erreichen. Unser Weg führt uns weiter entlang des Rannoch Moor in die Highlands. Wir passieren das Glen Coe. Hier fand am 13. Februar 1692 das Massaker von Glen Coe statt. Ein kleines Besucherzentrum dokumentiert die Geschichte des Tales. In Fort William nutzen wir die Gelegenheit zu einem Einkaufsbummel. Da wir die nächsten Tage abseits der größeren Städte verbringen wollen, kaufen wir die notwendigsten Kleinigkeiten hier ein. Am frühen Nachmittag rasten wir nahe dem Glenfinnan Viaduct, ein Muß für Eisenbahnfans. Hier fährt mehrmals täglich ein Dampfzug von Fort William nach Mallaig über den Viadukt. Die restliche Strecke nach Mallaig ist eng und kurvenreich. Da wir etwas unter Zeitdruck stehen, um die Fähre nach Skye zu erreichen, wird die Fahrt ziemlich anstrengend. Angekommen auf Skye haben wir ein ernstes Problem. Es ist ca 16 Uhr und die Quartiere sind zum großen Teil ausgebucht. Für eine Gruppe von 5 Personen fast unmöglich, noch etwas zu finden. Wir versuchens im Tourist Office Broadford und erfahren, daß es in Portree noch Quartiere gäbe, dies sei nur knapp 1/2 Stunde entfernt. Wir brauchen bei straffer Fehrweise 50 Minuten und bekommen ein 5-Bett-Zimmer vermittelt. Am Abend gehen wir in einem Pub und verzichten auf das Abendessen (es gibt keine Barmeals).
Die Isle of Skye
Die Landschaft der Isle of Skye ist auf jeden Fall einen Besuch Wert. Besondere Punkte sind The Storr, ein Bergmassiv - besonders für Wanderer interessant, der Kilt Rock oder auch Dunvegan Castle. Wir entschließen und zu einer Tour rund um die Halbinsel Trotternish. Leider ist vom Wasserfall am Kilt Rock an diesem Tag nur ein schmales Rinnsal übrig. Die letzten paar hundert Meter an der Nordspitze der Halbinsel sind eine Schotterpiste. Gegen Mittag erreichen wir Kyleakin. Die in der Karte verzeichnete Brücke zum Festland ist noch nicht fertiggestellt, wir setzen mit der Fähre über. In Dornie rasten wir. Wir verbringen ein paar Stunden auf einer Wiese am Ufer des Loch Long. Ich unternehme eine kleine Fototour rund um das Highlander-Schloß - Eilean Donan Castle. Am frühen Nachmittag machen wir uns auf die Suche nach einem Quartier. Der erste in der Karte verzeichnete Ort, Stromeferrie am Loch Carron, besteht nur noch aus ein paar verfallenen Hütten. Also weiter! In Lochcarron, am gegenüberliegenden Ufer des Lochs finden wir schließlich eine Unterkunft. Wir sonnen uns noch eine Stunde im Garten und gehen dann Essen, ein Restaurant mit Bar und ziemlich gutem, preiswertem Essen (oder haben wir uns inzwischen an die britische Küche gewöhnt???) Im nächsten Pub spielen wir ein paar Runden Billard.
Wester Ross
Die Sonne scheint, wir gehen schwimmen!!! Volker meint, an der Küste von Applecross müßte es ein paar schöne einsame Strände geben. Der erste liegt direkt im Ort Applecross, der zweite ist militärisches Sperrgebiet. Schließlich finden wir ein ruhiges Fleckchen nahe dem Ort Fearnmore an der Nordspitze von Applecross. Trotz Sonne und Golfstrom ist das Wasser jedoch ziemlich kalt, also wird aus dem Schwimmen eher ein kurzes Plantschen im flachen Wasser und ein ausgiebiges Sonnenbad zum Aufwärmen. Am Nachmittag folgen wir der Küstenstraße bis nach Ullapool. Die Sonne scheint immer noch. Aufgrund des unerwartet warmen Wetters beschließt Schorsch zu zelten. Wir anderen haben inzwischen entschieden, am nächsten Tag zurück nach Süden aufzubrechen. Volker meint, die Nordküste sei nicht so sehenswert. Ich werde dieses Ziel beim nächsten Schottlandurlaub in Angriff nehmen - denn spätestens jetzt ist mir klar, daß ich unbedingt nochmal hierher kommen muß.
Nessie und andere Monster
Zeit zur Umkehr. Mit ein klein wenig Enttäuschung gehe ich in den nächsten Tag. Ich wäre gern noch weiter nach Norden gefahren. Na ja, vielleicht beim nächsten mal. Die erste Stunde Fahrt verführt auch nicht gerade zum Träumen. Im Gegenteil, die Strecke von Ullapool bis Inverness ist ziemlich langweilig. Aufgrund des wunderschönen Wetters beschließen wir, die nächste Nacht zu zelten. Zwei Zelte haben Volker und Schorsch dabei. Ralf und ich kaufen in Inverness Schlafsäcke und Isomatten. Wir nutzen unseren Aufenthalt zu einem kleinen Stadtbummel. Nebenbei besichtigen wir Inverness Castle, hier soll Macbeth seine Frau ermordet haben - sagt Shakespeare. Dementsprechend ist die Ausstellung im Castle gehalten, einschließlich eines Hörspieles, natürlich Macbeth. Die Führer sind in historische Uniformen gekleidet und führen vor dem Schloß eine Art Wachwechsel auf.
Am frühen Nachmittag brechen wir wieder auf. Ein muß für jeden, der das erste Mal Schottland besucht ist natürlich ein Besuch am Loch Ness. Auch wir wenden uns nach Süden und fahren entlang des wohl berühmtesten schottischen Sees nach Fort Augustus am Caledonian Channel. Das Glück, "Nessie" zu sehen, ist uns nicht vergönnt. Am Südende des Lochs verlassen wir wieder die Haupttouristenstrecke und fahren südlich von Loch Ness wieder zurück. Abseits der Hauptstrecken findet man immer die kuriosesten Sachen, wie zum Beispiel eine alte Tankstelle in Tombreck. Eine Zapfsäule an der Kreuzung, daneben ein kleines Häuschen. Kein Zählwerk an der Säule oder sonstwo. Dem Preis nach muß der Verkäufer die Benzinmenge geschätzt haben.
Mittlerweile ist der Tag schon ein gutes Stück vorangeschritten und wir machen uns auf die Suche nach einem Zeltplatz. Der Erste gefällt uns nicht, der Zweite ist bereits voll, wir schlagen unsere Zelte schließlich in Alvie auf. Kurz vor dem Zeltplatz haben wir ein vielversprechendes italienisches Restaurant entdeckt. Auf dem Weg dorthin gibt es das zweite Mal ein Problem mit dem Linksverkehr. Diesmal ist es Schorsch, der auf die rechte Fahrbahn einbiegt. Nach diesem Schreck freuen wir uns auf ein gutes Abendessen. Das Essen hebt sich wohltuend von dem der letzten Tage ab. Der Italiener ist allerdings der Einzige den ich jemals gefunden habe, bei dem es keine Pizza gibt.
Ruhetag
Unser Zeltplatz liegt in der Nähe des Glen More Forrest Park, einem Erholungsgebiet mitten in den Grampian Mountains und offensichtlich einem beliebten Ausflugsziel. Wir verbringen den Tag am Strand. Vorher gibt es noch ein kleines technisches Problem mit Ralfs Guzzi. Nach einiger Suche haben wir die Ursache - eine Schraube der hinteren Bremsankerplatte hat sich gelockert und ist verlorengegangen. Eine Werkstatt ist zum Sonntag nicht aufzutreiben. Also muß bis morgen die vordere Bremse reichen. Am Nachmittag fahren wir noch ein kurzes Stück entlang des River Spey. Die Idee, noch schnell eine Distillerie zu besichtigen läßt sich nicht verwirklichen. Am Sonntag Nachmittag sind die, an denen wir vorbeikommen, geschlossen. Also nehmen wir uns die Whiskytour für den nächsten Tag vor und platzieren unsere Zelte auf einem Zeltplatz bei Aberlour, im "Whisky-Tal". Nach uns treffen noch einige andere deutsche Motorradfahrer auf dem Zeltplatz ein. Wir nutzen die späte Nachmittagssonne, um Wäsche zu waschen und diese zum Trocknen in die Sonne zu hängen. Am Abend machen wir einen Ausflug in den Ort. Das einzige Restaurant sperrt leider zu, als wir gerade eintreten wollen. Also begnügen wir uns mit Fish & Chips und nehmen uns ein paar Dosen Bier und Cider mit zum Zeltplatz.
Der Malt Whisky Trail
Scotch Whisky - eines der bekanntesten schottischen Produkte. Hier, rund um das Spey Tal herum, befinden sich die meisten schottischen Whiskydistillerien. Und natürlich bietet jede einzelne dieser Distillerien Führungen durch den Betrieb mit einer kleinen Kostprobe des Endproduktes an. Die erste Distillerie, die wir besuchen, ist Glenfiddich in Dufftown. Hier ist man auf Touristen eingestellt. Die Führung ist kostenlos. Wir bekommen beim Betreten des Besucherzentrums ein Infoblatt in deutscher Sprache (es gibt auch französisch, italienisch und japanisch), anschließend wird in einem Filmvortrag die Geschichte der Distillerie vorgestellt. Glenfiddich ist die einzige Distillerie, in der Whisky an einem Ort distilliert, gelagert und abgefüllt wird. Beim anschließenden Rundgang erfahren wir Einiges über die Herstellung des edlen Getränks. Angefangen damit, daß schottischer Whisky zweimal distilliert wird, im Gegensatz zum dreifach distillierten irischen Whisky, bis hin zur Auswahl der Fässer für die Lagerung des Whiskies. Am Schluß gibt es noch eine Kostprobe. Als Motorradfahrer müssen wir da leider passen, aber auch darauf ist man eingestellt. Wir bekommen eine kleine Kostprobe zum Mitnehmen.
In Dufftown haben wir auch die Gelegenheit, Ralfs Bremsen wieder zu reparieren. Ein Mechaniker schneidet uns eine Schraube mit dem gesuchten Gewinde zurecht. Am Nachmittag besichtigen wir noch eine zweite Distillerie - Strathisla in Keith, Home of Chivas Regal. Es geht hier etwas persönlicher zu. Wir bekommen Tee und Gebäck, bevor wir auf eigene Faust die Distillerie erkunden können. Hier stehen alle Beschäftigten unseren neugierigen Fragen bereitwillig gegenüber und erklären uns, was wir bis dahin noch nicht wissen. Besonders interessant ist hier der letzte Teil des Besuchs - ein Geruchstest. Wir bekommen die Geruchsunterschiede verschiedener schottischer Whiskies vorgeführt, Unterschiede zwischen Malt und Grain, Ostküste und Westküste, Highlands und Lowlands. Allein diese Erfahrung lohnt die 4 Pfund Eintrittspreis. Eine unangenehme Erfahrung dieses Tages haben wir der Sonne zu verdanken. Die Motorräder sind auf dem Parkplatz der Distillerie in den erwärmten Asphalt eingesunken und umgefallen. Ralf muß erneut den Zündkerzenstecker austauschen, Volker hat's schlimmer erwischt, die Verkleidung ist gebrochen. Wir reparieren notdürftig mit Klebeband und fahren noch ein gutes Stück nach Süden. Am nächsten Tag wollen wir Edinburgh erreichen. Wir überqueren den Devil's Elbow. Die Suche nach einem Zeltplatz führt uns dann bis nach Rattray. Der Zeltplatz ist zwar mehr eine Art Sommerdomizil für ältere Bürger, aber wir bleiben ja nur für eine Nacht. Abendessen gibts bei einem Fast-Food-Chinesen im Stadtzentrum. Wir sitzen dann noch bis spät in der Nacht vor dem Zelt und feiern unseren letzten gemeinsamen Abend, Schorsch will am nächsten Tag nach Hull fahren, Claudia, Volker, Ralf und ich wollen noch 2 Tage in Edinburgh verbringen, bevor wir uns auf den Heimweg machen.
Edinburgh
Am Morgen heißt es Abschied nehmen. Wir frühstücken in einem Hotel an der Straße nach Perth. Anschließend tragen Volker und Schorsch noch die Endausscheidung im Billard um den Urlaubsmeister-Titel aus. Nach der Überquerung der Brücke über den Firth of Forth trennt sich Schorsch von uns. Wir fahren nach Edinburgh und schlagen unser Zelt für zwei Nächte auf dem Campingplatz Muirhouse auf - nicht die beste Wahl, man ist zwar schnell mit dem Bus in der Innenstadt, aber die sanitären Anlagen lassen sehr zu wünschen übrig. Nebenan liegt ein Golfplatz, ist aber leider ausgebucht. Wir besichtigen die Stadt, wandern hoch zur imposanten Burg und genießen den Blick vom Burgberg hinab auf die Stadt. Am Abend regnet es. Volker schlägt vor, in einem kleinen Pub, "gar nicht weit entfernt", zu Essen. Wir sind einverstanden und machen uns auf den Weg. Die angekündigten "10-20 Minuten" strecken sich zu einer guten Dreiviertelstunde bis wir endlich in Cramonds ankommen und dort auch den versprochenen Pub finden. Der entschädigt allerdings für den langen Weg. Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Edinburgh, machen eine der typischen Touri-Stadtrundfahrten mit und gehen zum Shopping. Petrus belohnt uns mit Sonnenschein und so sitzen wir eine Weile unterhalb der Burg in einer der wunderschönen Edinburgher Parkanlagen. Irgendwie ist "die Luft raus". Meine Gedanken sind schon bei der Heimfahrt. Den Abend verbringen wir wieder im Cramonds Inn, irgendwie gefällt uns dieser Pub. Und nach ein paar Guinness ist auch der einsetzende Regen auf dem Rückweg zu ertragen. Am Morgen des dritten Tages regnet es. Wir entschließen uns, heute direkt nach Hull zu fahren.
Homeward bound
Die Heimfahrt beginnt grauenvoll. Es regnet in Ströen, die Straße ist voller Lastwagen. So werden die ersten 2 Stunden zur Qual. Völlig durchgefroren rasten wir kurz nach der englischen Grenze, als der Regen aufhört. Hoffnung auf eine angenehmere Fahrt kommt auf. Wir fahren in Richtung Newcastle. Es ist windig, aber es bleibt zum Glück trocken. Ab Newcastle fahren wir Autobahn. Wir wollen jetzt möglichst schnell zum Fährhafen. Aber die Strecke nach Hull "zieht sich". Wir kommen gegen 4 Uhr am Terminal an und kaufen uns die Tickets nach Zeebrugge. Um 5 Uhr können wir an Bord gehen. Duschen, zu Abend essen und noch ein paar Bier an der Bar, dann fallen wir in unsere Kojen, es war doch ein recht anstrengender Tag. Über 250 km quer durch Belgien und einen unfreundlichen Empfang in der ersten deutschen Raststätte bei Aachen. Hier trennen sich unsere Wege. Volker und Claudia wollen heute noch heim. Ralf und ich fahren nach Mainz. Bei Koblenz schlafe ich fast auf der Autobahn ein. Wir rasten. Die letzten Kilometer gehen wieder. Am frühen Nachmittag erreichen wir Budenheim bei Mainz. Freddi, bei dem wir übernachten wollen, ist noch nicht da. Wir spazieren kurz durch das Viertel, rasten kurz in der kleinen Kneipe nebenan und warten die letzte Stunde auf dem Parkplatz. Am Abend gibts Pizza. Am nächsten Morgen eskortieren wir Freddi nach Erlangen. 2 Motorräder und eine Ente - eine seltsame Kolonne.